Gerüchteküche (All-Star Edition)




Nun, da das All-Star Wochenende schon wieder vorbei ist, wird es höchste Zeit, der aufregendsten Phase der regulären Saison entgegen zu blicken: Trade Season. Die Gerüchteküche köchelt dank des ungeklärten Dwight Howard Szenarios seit Saisonbeginn auf hoher Flamme und wird uns in den verbleibenden 18 Tagen mit haufenweise halbgaren Gerüchen versorgen. Von den knapp 60 Tradeszenarien, die man in der ein oder anderen Form vernehmen wird, gehen dann im Endeffekt wohl 4 bis 8 tatsächlich als Deal über die Bühne. NBCHF filtert für Euch die wichtigsten heraus und wird sie an dieser Stelle alle paar Tage zusammen fassen. Den Anfang macht ein kurzer Blick auf das allgemeine Wochenend-Geschnatter in Orlando.


Die Los Angeles Clippers werden in den nächsten Tagen Bobby Simmons unter Vertrag nehmen. Simmons, ein ehemaliger NBA-Spieler, ist 31 Jahre alt und verdient seine Brötchen zur Zeit bei den Reno Bighorns in der D-League. Der 1,98m Forward hatte seine beste Saison 2004/05, als er für die LA Clippers 16.4 Punkte pro Partie erzielte und als Most Improved Player geehrt wurde.

Joel Przybilla kehrt nach Portland zurück. Der 'vanilla Gorilla' spielte bereits sechseinhalb Jahre im hohen Nordwesten, bevor er Mitte der letzten Saison im Gerald Wallace Deal nach Charlotte verschifft wurde. Er wird die Frontline der Blazers dank seines Reboundings, seiner Defensive und seiner Härte verstärken.

Die meisten und erwartungsgemäss auch irrsinnigsten Tradegerüchte generierte in Orlando natürlich Dwight Howard. Bleibt er jetzt, oder geht er doch? Und wenn ja, wohin? Der Status quo scheint unverändert: Howard will nur in Los Angeles (Lakers), New Jersey oder Dallas eine langfristige Vertragsverlängerung unterschreiben. Die Lakers hatten als kleinen Test angeblich Andrew Bynum angeboten. Orlando lehnte amüsiert ab. Es bleibt unklar, ob sie lediglich den 1 gegen 1 Trade oder Bynum aufgrund seiner Verletzungshistorie generell ablehnen. Ein weiteres Gerücht rankte sich um einen angeblichen 3-Team-Deal mit Minnesota, bei dem LA seine beiden Riesen abgeben soll. Das Szenario hatte aber ein entscheidendes Manko, weshalb ich auch nicht näher darauf eingehen werde: Hedo Turkoglu war nicht involviert. Jeder, der das Affentheater in den letzten drei Monaten verfolgt hat, weiss genau: wer D12 will, muss den schwachen und völlig überteuerten Türken mit einkaufen. Solange die Lakers also nicht Bynum und Gasol im Paket abdrücken wollen - und sie wären damit ganz schlecht beraten - sollte man einer solchen Story keinerlei Beachtung schenken.

Um Pau Gasol's Zukunft, der ja vor der Saison bereits getradet wurde, ranken sich täglich neue Mythen. Das liegt in erster Linie an den klaren Intentionen des Managements, Dwight Howard zu verpflichten. Die offensichtlichen Probleme auf zwei anderen Positionen (Point Guard, Small Forward) rufen aber zwangsweise andere Fantasie-Szenarien hervor. Eines davon: Pau Gasol nach Boston für Rajon Rondo und Jermaine O'Neal. Der Gasol-Rondo Tausch wurde vor einigen Wochen bereits thematisiert. Die bevorstehende Lakers-Verpflichtung von Rasheed Wallace sowie die Tatsache, dass Rondo in Boston alles andere als unantastbar ist, verleihen dem Gerücht etwas Glaubwürdigkeit. Ich kann aber nicht erkennen, wie ein solches Tauschgeschäft den Celtics kurz- oder langfristig helfen soll.

New York wird allein schon angesichts der riesigen Medienlandschaft in der Metropole immer wieder mit verschiedenen Tradeszenarien in Verbindung gebracht. Der neueste Lärm, neben dem obligatorischen Dwight Howard Telefonanruf (bei dem wohl alle nur erdenklichen Tyson Chandler/Amare Stoudemire Big Man Kombinationen mit angeboten wurden): Carmelo Anthony für Pau Gasol. Die Knicks erhielten einen weiteren 'Playmaker', also jemanden, der im System von Mike D'Antoni das Spiel machen kann. Die Lakers bekämen eine Scoring-Option und ein dringend benötigtes Upgrade auf Small Forward. Über die offensichtlichen Nachteile eines solchen Deals auf beiden Seiten muss ich wohl nicht extra referieren.

New Jersey hält sich selbst noch immer für das favorisierte Team im Dwight-Poker. Zum einen, weil die Nets aus irgend einem Grund davon überzeugt sind, dass Howard nur mit Deron Williams zusammen spielen will. Zum anderen aufgrund ihrer Bereitschaft, im Tausch ihr gesamtes Team nach Orlando zu schicken. Die Magischen könnten also im Prinzip Brook Lopez, Kris Humphries, MarShon Brooks, Mehmet Okur und einige Draft-Picks erhalten, falls sie sich doch zu einem Trade entschliessen sollten. Die Nets setzen alles auf die Deron-Dwight-Brooklyn Karte und werden in den nächsten zwei Wochen nichts unversucht lassen.

Ein potentiell gefährliches Vabanque-Spiel für New Jersey, denn Howard könnte sich durchaus dazu entschliessen, die Saison in Florida zu Ende zu spielen. Immer mehr deutet zur Zeit darauf hin - von den Aussagen Howard's, der Orlando sein zu Hause nannte, über die Ratschläge seiner Mutter bis hin zu den Statements des Teamgründers und -besitzers Rich DeVos Sr., der im Prinzip zu jedem Trade sein Veto einlegen kann und das wohl auch tun will. DeVos hatte erst am Sonntag wiederholt, dass er sein Geld auf einen Howard-Verbleib setzen würde. Wink mit dem Zaunpfahl?

Falls es New Jersey also nicht schafft, den All-Star Center vor Ablauf der Wechselfrist zu verpflichten, läuft man Gefahr, irgendwann auch Deron Williams zu verlieren. Dem Guard würde ohne Howard jeglicher Anreiz fehlen, in Brooklyn das Gesicht einer Lotterie-Franchise zu werden. D-Will, der bereits letzten Sommer seine Intentionen betreffs einer Rückkehr in seine Heimatstadt Dallas klar machte, wird ganz stark mit den Mavericks in Verbindung gebracht. Die Nets könnten also versuchen, ihn für 50 Cent unterm Dollar zu verhökern, anstatt im Sommer mit leeren Händen da zu stehen.

Ist Howard nach dem 15. März immer noch in Orlando, ohne dass GM Otis Smith einen weiteren Hochkaräter verpflichten kann, und bleibt folgerichtig auch Deron Williams in New Jersey, steigen die Chancen der Mavericks auf den Jackpot in diesem Sommer. Dann, aber nur dann, kann Dallas realistisch mit dem Best-Case Szenario rechnen: sowohl Williams als auch Dwight Howard als Free Agents holen und mit Dirk Nowitzki paaren, um so eine eigene Big Three Formation ins Meisterschaftsrennen 2012/13 zu schicken.

Steve Nash liess während des All-Star Wochenendes wieder einmal verlauten, dass er einem Trade nicht im Wege stehen würde, wenn Phoenix der Ansicht ist, dass es für den Verein langfristig die beste Lösung sei. Die Suns passen den Ball aber immer wieder zurück und bleiben bei ihrer Haltung: solange Nash nicht explizit einen Wechsel einfordert, werden sie den zweimaligen MVP nicht traden.

Eines der Teams, das massiv an den Diensten des 38-jährigen All-Star Guards interessiert ist: Orlando. Mehreren Berichten zufolge werden die Magic "aggressiv" versuchen, sich die Dienste des besten Passgebers (10.9 APG) der Liga zu sichern. Damit will man vor allem Dwight Howard zum Bleiben überreden. Eine Verpflichtung Nash's wäre natürlich der absolute Coup und würde Orlando in Richtung Contender katapultieren. Ob sich Phoenix aber mit JJ Redick und einigen Draft-Picks zufrieden gibt, bezweifle ich ernsthaft.

Larry Bird, Teampräsident bei den Indiana Pacers, liess verlauten, dass er vor dem 15. März sein Team verstärken wird. Die Pacers haben mit nur 43 Millionen an Gehaltsverpflichtungen den niedrigsten Lohnzettel aller 30 NBA-Teams, rangieren aber trotzdem auf Platz 3 in der Eastern Conference. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Indiana gerne einen potenten Shooting Guard verpflichten würde. Darauf (Eric Gordon) muss Bird aber wohl noch bis zum Sommer warten. Angesichts der finanziellen Situation sollte man in den nächsten Wochen eher einen Spieler-für-Geld Tausch (Trade Exception, evtl. Pick) mit einem Team auf der Suche nach monetärer Entlastung erwarten.

Milwaukee, das die Playoffs in dieser Saison verpassen wird und mit mehr als 60 Millionen Dollar an Spielergehältern über dem Salary Cap liegt, würde liebend gerne Stephen Jackson abstossen. Der Neuzugang hat mit Head Coach Scott Skiles unüberbrückbare Differenzen und findet kaum Spielzeit. Einen 10 Mio $ Mann auf der Bank versauern zu lassen, kann sich kein NBA-Team leisten. Ein Small Market Team wie die Bucks schon zwei mal nicht. Falls man in den nächsten Wochen also irgend einen Interessenten für Captain Jack finden sollte - egal zu welchen Konditionen - ist er weg. New Jersey würde liebend gerne zuschlagen und hat genug Ramschware für ein Angebot im Kader.


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